Social Media Marketing: Geht Facebook langsam die Luft aus?

Faktenkontor_Grafik_Facebook 2015Nach einer Analyse von Faktenkontor steht das Soziale Netzwerk nicht mehr auf Platz eins der meisten genutzten Kanäle. Grund ist vor allem eine zunehmende Anzahl passiver Nutzer. Und wieder erklingt ein Aufschrei nach dem baldigen Ende. Dabei hat sich eigentlich nur das Verhalten der Nutzer verändert. Dem versucht Facebook schon seit Jahren mal mehr, mal weniger erfolgreich entgegenzuwirken. Für den Social Media Manager von heute bedeutet das: Noch mehr auf die Interessen des Followers schauen und ihn aus der digitalen Social-Lethargie zu treiben.

Und doch lügen die Zahlen nicht: Facebook baut in einer gewissen Weise ab. Nach der Analyse von Faktenkontor nutzen tendenziell weniger Deutsche das Social Network. Nur noch 87 Prozent nutzten 2015 Facebook überhaupt. Im Vorjahr waren es noch 93 Prozent. Damit ist der Anteil jedoch nach wie vor hoch. Dennoch rutscht Facebook damit bei den Sozialen Netzwerken auf Platz zwei hinter YouTube (88 Prozent) ab. Die Relevanz des internationalen Internetnetzwerks bleibt damit unzweifelhaft hoch. Problematischer ist hingegen, dass viele Facebook-Nutzer immer passiver werden – also selbst keine Inhalte (Post, Kommentar, Likes) mehr produzieren. So ist der Anteil der regelmäßig aktiven Nutzer von 58 Prozent im Jahr 2012 auf 34 Prozent (2015) gesunken. Der Spitzenreiter YouTube konnte für 2015 in Sachen Aktivität allerdings nur 14 Prozent der Nutzer vorweisen, die sich regelmäßig beteiligen.

Diese „Zahlenschere“ sieht man in Facebook auch an anderer Stelle: Mittlerweile ist die Mehrheit der Nutzer zwischen 18 und 35 Jahre alt. Und die Anzahl der Silver Surfer nimmt immer weiter zu. Das Netzwerk erlebt also eine Granny-fizierung. Und diese neuen Nutzer scheinen tendenziell inaktiver zu sein. Genau hierin liegt das große Problem. Denn die Jugend wendet sich ab, schaut lieber hübsche Bilder auf Instagram und generiert massenweise sich selbst löschenden Content auf Snapchat. Doch nur, weil eine Gruppe fehlt und der Altersdurchschnitt wächst, stirbt nicht gleich ein ganzes Social Network aus. Im Gegenteil: Es verändert sich nur!

Facebook schweigt sich aus:

Hiob und seine Botschaften vom Untergang weisen uns immer wieder gerne auf das Ende hin: Die Zeitung, die Welt und das Internet – allen voran das Social Network Facebook – gehören wohl zu den beliebtesten Themen, denen ein baldiges Ende voraus gesagt wird. Doch Überraschung: Sie leben nach wie vor; auch wenn ihre Blütezeit hinter ihnen liegt. Doch seien wir mal ehrlich: Die Erfindung des Rades hat auch nicht den Spaziergang abgeschafft. Alles kommt wieder und niemals geht man so ganz – aber Schluß mit den Phrasen. Zurück zu den Fakten.

Vergleicht man die Erfindung des Rades mit der rasanten und fluktuierenden Entwicklung von Social Media, so mag der Vergleich vielleicht leicht hinken. Und doch steht fest: Facebook ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und dort (vorerst) nicht mehr wegzudenken. Außerdem unterliegt alles einer ständigen Veränderung und einem Anpassen auf diese neuen Begebenheiten. Mit dem Rad wurde der Mensch beispielsweise schneller und die Welt wurde kleiner. Geschwindigkeit und damit auch eine damit einhergehende Steigerung der Produktivität scheint ein Naturbedürfnis des Menschen zu sein. Das ist bei Social Media auch nicht anders.
Dem Menschen reichte den Brief nicht mehr und er erfand den Telegraphen auf den dann das Telefon folgte. Mit dem Internet wurde die Kommunikation noch schneller und durch die Social Media Kanäle zudem persönlicher. Die Menschheit rückte noch enger zusammen.

Und nun? Der Mensch, der sich noch vor wenigen Jahren öffentlich im Netz profilieren wollte, ist heute durch Lücken im Datenschutz vorsichtiger geworden. Obendrein will er lieber beiläufig konsumieren statt selbst eingreifen. Zweifellos darf man diesen Umstand nicht verallgemeinern, aber der Trend zum stillen Genießen und noch schnellerem Aufnehmen ist eindeutig da. Kommentieren sollen andere, ein Daumen hoch reicht heute aus, um seinen Status im Netz deutlich zu machen.

Teilgenommen mit aktiver Verweigerung:

Und plötzlich wird es bei den privaten Profilen in Facebook merklich ruhig. Kaum noch jemand postet regelmäßig selbst. Vielmehr wird der Newsstream genutzt, um sich durch einen schnellen Blick auf vorbeirauschende Headlines zu informieren. Der direkte Dialog findet nur noch in privaten Nachrichten statt. Doch wo viele Nutzer passiv werden, verlieren auch die Aktiven bald das Interesse. Genau in dem Moment passiert es, dass Facebook tatsächlich schlapp macht. Nicht, weil Facebook nicht mit der Zeit geht, sondern weil der Nutzer selbst fauler geworden. Genau hier setzt ein guter Social Media Manager an und bringt den Nutzer zurück ins Spiel. Denn umso weniger kommunikativ sich der Follower zeigt, desto aktiver sollte der Experte werden. Wer hingegen Facebook aufgibt, der beweist, dass seine PR-Arbeit nichts mehr mit Kommunikation zu tun hat. Dann kann man gleich selbst anfangen zu schweigen. Doch eines gehört in keine PR-Agentur: Stille!

Quelle:
www.faktenkontor.de
www.meedia.de
de.statista.com
de.newsroom.fb.com

Jörg Gottschling

Jörg Gottschling

Chronischer Querdenker im #Hashtag-Fieber, Digitale Native, Social-Irgendwas und bloggender Blogger
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